Das Museum für Angewandte Kunst ist temporär geschlossen!

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Die Museen der Stadt Gera

Das Objekt des Monats | März 2021

Ein Schmuckstück erzählt vom Kampf der Frauen auf das Wahlrecht

Keine Smaragde, keine Diamanten, nicht einmal echte Amethyste! Dafür aber ein authentisches Zeugnis des Kampfes für Frauenrechte zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Grün, weiß und violett schimmern die Glassteine der filigranen Halskette, die zusammen mit anderen Kleinodien in der Ausstellung „Glanz & Eleganz. Juwelenschmuck im Barock“ im Museum für Angewandte Kunst Gera derzeit auf die Besucher wartet.

Warten musste wohl auch ihre einstige Besitzerin auf dem Weg zu ihrem politischen Ziel, dem Frauenwahlrecht. Eine Forderung, die Finnland 1906, Deutschland 1919 – die Schweiz 1971, Liechtenstein sogar erst 1984 erfüllten!

Was aber hat die Kette damit zu tun? Sie vereint grüne, weiße und violette Glassteine – Farben, die symbolhaft auf das von Frauen weltweit geforderte Wahlrecht verwiesen: Grün, Weiß, Violett steht für die Initialen GWV – „Give Women the Vote!“ – „Gebt Frauen das Wahlrecht!“

Bei genauerer Betrachtung des Colliers wird offensichtlich, dass ihm die farbigen Glassteine erst später hinzugefügt wurden. Tatsächlich entstand es viel früher – die Silberschleifen mit den weißen Steinen sind vermutlich rund 100 Jahre älter als das Frauenwahlrecht in Deutschland. Die Forderung danach wurde bereits nach der Französischen Revolution 1789 laut.

Olympe de Gouges (1748-1793), eine leidenschaftliche Vorkämpferin der Frauenrechte, machte auf gravierende Probleme aufmerksam: Laut dem römisch-kanonischem Recht konnten Mädchen bereits im Alter von 12 Jahren verheiratet werden. Frauen waren rechtlich und ökonomisch von ihrem Ehemann abhängig, der zudem das Recht auf Züchtigung seiner Frau hatte. Und obwohl beispielsweise Katharina II., mit Beinamen „die Große“, das russische Reich revolutioniert hatte, sah man(n) Frauen im Vergleich zum Mann als minderwertiges Geschöpfe. Olympe de Gouges‘ Bemühungen führten nicht zum Erfolg, sondern brachten sie 1793 aufs Schafott.

Auch die Deutsche Louise Otto-Peters (1819-1895) versuchte, die gesellschaftlichen Veränderungen im Zuge der Revolution von 1848 für die Durchsetzung des Frauenwahlrechts in Deutschland nutzen. 1849 gab sie die erste politische Frauenzeitung heraus. Durch ihre publizistische Tätigkeit trug sie zu einer flächendeckenden Wahrnehmung der Notwendigkeit des Frauenwahlrechts bei. Der von ihr 1865 mitbegründete Allgemeine Deutsche Frauenverein zählte nur vier Jahre nach seiner Gründung bereits 10.000 Mitglieder.

1903 gründete die Britin Emeline Pankhurst (1858-1928) die Woman’s Social and Political Union (WSPU), eine militante Frauenrechtsbewegung, die das Ziel des Frauenwahlrechts auf aktive kämpferische Weise erreichen wollte. 1906 wollte ein Journalist die WSPU durch die Betitelung „Suffragetten“, herabwürdigen, erreichte aber das Gegenteil.

Die drei Farben Grün, Weiß und Violett wurden nicht nur von aktiven Mitgliedern als Erkennungszeichen getragen, sondern auch von Frauen, die die Vorkämpferinnen diskret unterstützen wollten. Unser Collier war daher wohl einst das Eigentum einer Mitstreiterin für das Frauenwahlrecht, die ihrem alten Familienschmuck durch das Hinzufügen der farbigen Steine eine zeitgenössische politische Botschaft verlieh: „Give Women the Vote!“

 

WILLKOMMEN IM MUSEUM FÜR ANGEWANDTE KUNST GERA

Das Museum für Angewandte Kunst in Gera befindet sich im Ferberschen Haus, in einer der eindrucksvollsten barocken Wohnanlagen von Gera. Es ist das einzige Spezialmuseum dieser Art in Thüringen. In seiner Sammel- und Ausstellungstätigkeit widmet es sich dem Kunsthandwerk, Mode, Design und der Wohnkultur in seiner ganzen Vielfalt. Die umfangreiche Dauerausstellung „Art déco und Funktionalismus. Angewandte Kunst zwischen den Weltkriegen“ präsentiert Kunsthandwerk, Möbel und Grafik der Moderne. Deutsches und internationales Design mit Keramik, Glas und Textilien bekannter Entwerfer bilden die Schwerpunkte. Fotografie – u.a. Werke der Avantgardistin Aenne Biermann - sowie Werbegrafik runden das Sammlungsprofil ab. Wechselnde Sonderausstellungen und Veranstaltungen ergänzen das Programm.

Zu den Ausstellungen

Museum für Angewandte Kunst

Greizer Straße 37-39
07545 Gera
0049 (0) 365 838-1430
musak@gera.de

 

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