Schloss Osterstein - Facetten einer Residenz

Sonderausstellung im Stadtmuseum Gera

8. Juni 2021 bis 27. Februar 2022

 

Beeindruckende Burgen und Schlösser gibt es viele in Deutschland. Warum also eine Ausstellung über ein Schloss, welches nicht mehr existiert?

Der Osterstein war nicht nur ein Schloss, er war der Sitz einer Landesherrschaft, eine Residenz, und nimmt damit auch in der Thüringer Landesgeschichte eine herausgehobene Position ein. Das Schloss war der Ort, von dem aus rund 700 Jahre lang die Geschichte Geras und von Teilen Ostthüringens bestimmt und geleitet und – mit der Abdankung Heinrichs XXVII. am 11. November 1918 – auch das Ende der reußischen Monarchie besiegelt wurde.

Seit Anfang des 13. Jahrhunderts bildete die Burg auf dem Hainberg den Mittelpunkt einer Teilherrschaft der Vögte von Weida. Ein Zweig der Familie nannte sich fortan Vögte von Gera. Die Vögte oder Herren von Gera – wie sie sich seit etwa 1370 nannten – starben 1550 aus. Trotz der schwierigen und gefahrvollen Zeit des Religionsstreits konnte die Greizer Linie der Vögte – die Reußen – in den Folgejahren die Geraer Herrschaft für sich gewinnen und übernehmen. Bereits 1564, nach einer reußischen Landesteilung, wurde Gera erneut die „Hauptstadt“ einer Herrschaft und Schloss Osterstein der Sitz der Herren und späteren Grafen und Fürsten Reuß jüngerer Linie.

Durch Umbauten des 15. und 16. Jahrhunderts wandelte sich der Charakter des Ostersteins allmählich von einer mittelalterlichen, auf Verteidigung ausgerichteten Burg hin zu einem repräsentativen Schloss als Wohn- und Regierungssitz der Landesherren. Auch die folgenden Generationen veränderten das Schloss dem Zeitgeschmack entsprechend. Unter Graf Heinrich XVIII. erhielt der Nordflügel seine barocke Gestalt. Der zur Stadt gelegene Ostflügel schließlich erfuhr in den 1860er Jahren eine grundlegende, repräsentative Umgestaltung.

Das für viele deutsche Kleinstaaten verhängnisvolle 19. Jahrhundert überstand das Fürstentum Reuß jüngerer Linie unbeschadet. Im 1871 gegründeten Deutschen Reich bildete das Fürstentum einen von 25 Bundesstaaten, mit Gera als Hauptstadt und dem Osterstein als Residenz. Mit dieser stand das Schloss Seite an Seite mit den Residenzen in Weimar, München oder Berlin.

Im 19. Jahrhundert wurde der Osterstein auch zum Werbeträger und Identifikationsort. Die Geraer waren stolz auf ihr malerisch im Wald und oberhalb der Elster gelegenes Schloss. Der Blick über den Fluss nach Untermhaus und hinauf zum Schloss dürfte um 1900 das häufigste Ansichtskartenmotiv in Gera gewesen sein.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte den Untergang des Schlosses. Bei einem der letzten Fliegerangriffe auf Gera am 6. April 1945 wurde es von amerikanischen Bombern getroffen und brannte vollständig aus. Die Ruinen wurden 1962 zum größten Teil beseitigt.

 

Die Ausstellung im Stadtmuseum Gera erzählt anhand von rund 150 Objekten die Geschichte des Ortes und des Schlosses von der Bronzezeit bis ins 20 Jahrhundert. Für die inhaltliche Arbeit konnten renommierte Historiker u.a. aus Dresden und Weimar gewonnen werden. So bietet die Ausstellung neue Erkenntnisse über das Alter des Bergfrieds, die Schlosskapelle, die Bedeutung der zahlreichen Hohlwege am Osterstein und die Beseitigung der Schlossruine nach 1945.

Schloss Osterstein um 1815
Schloss Osterstein um 1830
Ruine des Schlosses um 1950 Foto: Paus Geßner
Detail eines Schlossmodells im Zustand um 1930 Foto: Stadtmuseum
Blick in die Ausstellung: Die letzte Hochzeit auf Schloss Osterstein, 1917 Foto: Stadtmuseum
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