Die Geraer Malerfamilie Reinhold. Kunst des 19. Jahrhunderts mit Gemälden und Arbeiten auf Papier

Die Kunstsammlung Gera verfügt über einen kunsthistorisch sehr bedeutenden Bestand an Werken des Landschaftsmalers Heinrich Reinhold (1788 Gera – 1825 Rom). Das Konvolut umfasst insgesamt 41 Blätter dessen größter Teil in der Zeit zwischen 1820 und 1825 in Italien entstanden ist.

 

Heinrich Reinhold wurde 1788 in Gera geboren und zählt heute zu den wichtigen deutschen Landschaftsmalern des 19. Jahrhunderts. Nicht nur aufgrund seiner außerordentlichen Begabung, sondern auch aufgrund seiner veränderten Landschaftswahrnehmung genoss er schon zu Lebzeiten hohe Wertschätzung. In Rom und Umgebung entstand bis zu seinem frühen Tod 1825 ein beeindruckendes zeichnerisches und malerisches Werk. Aus dieser Schaffensphase befindet sich ein kleines Sammlungskonvolut im Bestand der Kunstsammlung Gera.

Im Mittelpunkt der Ausstellung in Reinholds Geburtsstadt stand neben seinem Werk auch das Schaffen der gesamten Malerfamilie Reinhold, welche über mehrere Generationen hinweg künstlerisch tätig waren. Gleichzeitig wurde so ein ausführlicher Blick auf die Herkunft und die künstlerischen Traditionen dieses über Gera hinaus bekannten Künstlers möglich.

Heinrich Reinhold war der Sohn des Geraer Porträt- und Genremalers Johann Friedrich Leberecht Reinhold (1744 Neustadt/Orla – 1807 Gera). Er ist der erste namhaft fassbare Künstler dieser Familie, welcher mit seinem Werk ein außergewöhnlich lebendiges und konturenreiches Bild des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts in Gera hinterließ.
Eine Vielzahl seiner Werke zeigen Konterfeis des höfischen und bürgerlichen Lebens der Stadt.

Seinen Söhnen Friedrich Philipp (1779 Gera – 1840 Wien), Heinrich (1788 Gera – 1825 Rom) und Gustav (1798 Gera – 1849 Königssee/Berchtesgaden) vererbte Johann Friedrich Leberecht Reinhold das künstlerische Talent. Neben dem Vater wird für Heinrich Reinhold aber sein Bruder Friedrich Philipp von entscheidender Bedeutung für seine weitere Entwicklung als Künstler. Von ihm besitzt die Kunstsammlung Gera einen kleineren Bestand mit Gemälden und Arbeiten auf Papier. Friedrich Philipp war der erste aus der Familie dem ein akademischer Studienbesuch möglich war. Von 1797 bis 1804 war er an der Dresdner Kunstakademie immatrikuliert. 1805 begann er ein sechsjähriges Studium an der Akademie der Künste in Wien. Nach dem Tod des Vaters 1807 wird der Haushalt in Gera aufgelöst und Heinrich und Gustav folgen ihm nach Wien. Neben dem Kontakt zum Kreis der Nazarener entwickelten die Brüder durch Reisen ins Salzkammergut, Tirol und Berchtesgaden ihre Form von Landschaftsauffassung.

Als großer Meilenstein gilt seine Ankunft 1819 in Rom. Wie für die meisten Maler dieser Zeit wurde auch für Reinhold Italien zum erklärten Ziel. Hier gehörte er zu den wichtigen Landschaftsmaler der deutsch-römischen Künstlergemeinschaft und genoss eine hohe Wertschätzung. Der preußische Architekt Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) erwarb auf einer Reise in Rom 12 Ölskizzen und 4 Bleistiftzeichnungen direkt von Heinrich Reinhold, die sich heute in der Sammlung der Kunsthalle in Hamburg befinden.

In Verehrung für Heinrich Reinhold hat der deutsch-römische Künstlerkreis in Rom das Grabmal für den Künstler gestiftet. Es wurde mit einer Inschrift und einem Porträtmedaillon versehen, dass der dänische Bildhauer Bertel Thorvaldsen (1770-1844) schuf. Die Inschrift auf dem Grabstein von Heinrich Reinhold lautet: „Die Bilder sprechen von Dir / Die Freunde verehren Dich / Die Künste trauern um Dich“.

 

Ausstellungsansicht "Die Geraer Malerfamilie Reinhold. Kunst des 19. Jahrhunderts mit Gemälden und Arbeiten auf Papier" (Foto: ARTwork-stewe)
Ausstellungsansicht "Die Geraer Malerfamilie Reinhold. Kunst des 19. Jahrhunderts mit Gemälden und Arbeiten auf Papier" (Foto: ARTwork-stewe)
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