Neues Ausstellungsensemble zum Pohlitzer Meteorit

Pohlitzer Meteorit nun dauerhaft in Museum für Naturkunde präsentiert

Das Museum für Naturkunde Gera ist um eine Attraktion reicher! Ab sofort wird in der ständigen Ausstellung dauerhaft der Pohlitzer Meteorit präsentiert. Für das Anliegen stark gemacht hat sich der Verein Geraer Mineralien- und Fossilienfreunde e. V. im Jahr seines 45-jährigen Bestehens. Die rund 5000,- Euro, die zur Umsetzung nötig waren, hat der Verein erhalten aus Überschüssen der Staatslotterie von der Thüringer Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz Anja Siegesmund und von der Volksbank eG Gera – Jena – Rudolstadt. Außerdem hat sich mit einer Geldspende Gottfried Löscher, der Enkel des Geraer Gymnasialprofessors Karl Gustav Löscher, beteiligt. Das schöne Geschenk an die Stadt Gera und sein Museum für Naturkunde ergänzt dessen Dauerausstellung um einen populären Beitrag, schließlich ist der Pohlitzer Meteorit schon immer heiß begehrt gewesen.

Er ist einer von ca. 50 nachgewiesen gefallenen Meteoriten Deutschlands und ca. 4.470.000.000 (4,47 Milliarden) Jahre alt. Am 13. Oktober 1819 kreuzte seine Bahn die Erde und er fiel gegen 8.00 Uhr morgens zwischen Pohlitz (Bad Köstritz) und Langenberg (Gera) nieder. Gefallen war der Meteorit auf das Feld des Pohlitzer Gutsbesitzers Johann Gottlieb Rothe nördlich des damals so genannten Haingrabens im Gebiet beim heutigen Chemiewerk Bad Köstritz. Am 15. Oktober 1819 entdeckte Rothe die Einschlagstelle mit ca. 1 m Durchmesser auf seinem Feld. Der Meteorit hatte bei seiner Bergung eine Gesamtmasse von ca. 3,5 kg. Nach dem Fund überschlugen sich die weiteren Ereignisse, denn das menschliche Interesse am Meteoriten wuchs rasant. Rothe übergab den Meteoriten an den Pohlitzer Amtsschulzen Johann Christoph Behr. Bei diesem aufbewahrt, schlugen sich bereits zahlreiche Personen größere und kleinere Teilstücke vom Meteoriten ab. Darunter auch Dr. Karl Georg Ludwig Schottin, der Johann Wolfgang von Goethe in einem Brief samt einer kleinen Probe des Meteoriten am 19. Oktober 1819 über das aufsehenerregende Ereignis informierte. Goethe antwortete am 27. Oktober 1819 und bat Schottin um die Beschaffung des gesamten Meteoriten für einen „billigen Preis“. Jedoch hatte in der Zwischenzeit bereits der Geraer Kaufmann Christian Gottlob Laspe ein großes Stück abgeschlagen. Rothe und Laspe wurden sich dazu aber finanziell einig und vereinbarten sogar ein Vorkaufsrecht für den restlichen Meteorit zugunsten Laspes. Daraus wurde genauso nichts wie aus dem Wunsch Goethes, da die reußische Regierung das restliche Teilstück des Meteoriten am 4. November 1819 von Rothe kaufte. Bis dahin wurden in den wenigen Tagen seit dem Fund bereits ca. 1 kg Meteoritenmasse abgeschlagen und verteilt. Als das Reststück des Pohitzer Meteoriten also nach Gera kam, wog es nur noch ca. 2,5 kg. In Gera wurde es im Gymnasium Rutheneum als ein unveräußerliches und unantastbares Heiligtum unter einem Glaskasten aufbewahrt. Diese Haltung hatte leider nicht sehr lange Bestand. Im Februar 1846 wurden ca. 1,1 kg des Meteoriten in Form kleinerer und größerer Stücke abgeschlagen und gegen andere Mineralien für die Sammlung des Gymnasiums Rutheneum mit der Mineralienhandlung Böhmer und Schumann in Berlin getauscht. Nun wog das in Gera verbliebene Reststück nur noch ca. 1,4 kg. 1854 wurden zwei weitere Teilstücke des Meteoriten gegen 300 zum Teil hochwertige Mineralien für die Sammlung des Gymnasiums mit der Mineralienhandlung von Dr. Adam August Krantz in Bonn getauscht. Nun wog das in Gera verbliebene Reststück des Meteoriten nur noch 744 Gramm. Damit nicht genug, denn im Januar 1896 wurde es erneut in zwei Teile zersägt. Verwendet wurde dafür eine Laubsäge, mit der 17 Stunden gesägt werden musste, wobei 114 Sägeblätter verbraucht wurden. Die in Gera verbliebene etwas größere Hälfte des Meteoritenrests wog 404 Gramm. Die etwas kleinere abgesägte Hälfte wurde nach Wien verkauft und der Erlös zur Bereicherung des physikalischen Kabinetts des Gymnasiums verwendet. Das bis heute in Gera verbliebene Teilstück wiegt 397,46.

Genau dieses drittgrößte erhaltene Teilstück des 1819 gefallenen Meteoriten kann nun dauerhaft im Museum für Naturkunde betrachtet werden. Zuvor wurde das kostbare Exponat nur im Sammlungsdepot aufbewahrt. Neben den vielen auch neuesten Informationen, die das Ausstellungsensemble bietet, kann außerdem eine beleuchtete Kopie des 1981 von Lutz Ketscher geschaffenen Gemäldes „Der Meteorfall zu Pohlitz“ bewundert werden. Das Original besitzt die Chemiewerk Bad Köstritz GmbH. Als Höhepunkt wurde der Pohlitzer Meteorit von Rainer Michelsson anhand der größten bekannten Teilstücke in seiner ursprünglichen Form und Größe beim Fund 1819 rekonstruiert. In der neuen Ausstellungsvitrine ist er gerade „frisch“ gefallen und steckt noch unangetastet im Erdboden des Ackers vom Pohlitzer Bauern Rothe.

Zurück