Calcit-Sinter („Kobaltsinter“), Frommschacht, Kamsdorf bei Saalfeld, Thüringen, 44 x 30 cm

Hochkarätige Schenkungen für das Museum für Naturkunde Gera

Das Jahr 2020 war für die geologische Sammlung des Museums für Naturkunde Gera bisher besonders reichhaltig, denn bis Juli erhielt das Museum schenkungsweise eine ganze Reihe hochkarätiger Objekte, die ab sofort oder zukünftig in den Ausstellungen der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

 

Ottomar Busse aus Gera stiftete dem Museum alle inhaltlich und qualitativ in Frage kommenden Mineral-Stufen seiner Sammlung. Darunter befindet sich eine spektakuläre Kostbarkeit der Uranlagerstätte Ronneburg, deren Minerale das Museum ständig präsentiert und seit der Wiedervereinigung Deutschlands sammelt. Die außergewöhnlich ästhetische Baryt-Stufe mit viel Matrix (Muttergestein) zeigt tafelige, braun-gelbe Kristalle bis 12 cm Größe. Insgesamt misst die Baryt-Stufe 26 x 18 cm! Sie wurde 1983 in einer ca.1,5 m breiten, 1,5 m tiefen und 2 m hohen Druse im Bereich der – 360-Meter-Sohle des Bergbaubetriebes Beerwalde der Uranlagerstätte Ronneburg gefunden. Der Anblick der großen Kristalldruse war damals sicher überwältigend. Innerhalb der nachfolgenden 24 Stunden nach der Entdeckung der Druse muss der Steiger Tilo P. von dem außergewöhnlichen Fund gehört haben. Entweder von der Neugier getrieben, oder um sich vor dem Zugriff anderer noch Material aus dieser Druse zu sichern, ist er in sie hinein gestiegen. Dort ist er von herabfallenden Brocken getroffen worden. Erst Stunden später am Ende der Schicht wurde der nicht ausgefahrene Bergmann vermisst und nach einer Suche schwerverletzt gefunden. An den Folgen dieses Unfalls verstarb er kurz darauf. Auch die Generaldirektion der SDAG Wismut im damaligen „Karl-Marx-Stadt“ (Chemnitz) wurde informiert und verfügte offiziell die Bergung von Mineral-Stufen. Jedoch ist wegen des schrecklichen Unglücks die Kristalldruse zeitnah mit Spritzbeton verfüllt worden. Bevor das geschah, müssen offensichtlich viele Personen illegal das begehrte Material geborgen haben. Zum Teil nachdem es noch Wochen untertage deponiert wurde, kamen die Fundstücke erst ans Tageslicht, als etwas „Gras über die Sache gewachsen war“. Trotzdem wurden auch Wismut-Beschäftigte beim illegalen Abtransport von Mineral-Stufen aus dieser Druse ertappt und ihre Baryt-Belege beschlagnahmt. Das ab sofort im Museum für Naturkunde ausgestellte Exemplar gehört mit zu den schönsten Mineralfunden, die die Uranlagerstätte Ronneburg je geliefert hat – ein wahres Meisterwerk der Natur. Durch die traurigen Begleitumstände der Bergung wird die große Druse, aus der das Stück stammt, unter Mineraliensammlern „Todesdruse“ genannt.

 

Mit finanzieller Hilfe der Sparkasse Gera-Greiz konnte der Verein Geraer Mineralien- und Fossilienfreunde e. V. für das Museum eine andere interessante Mineral-Stufe günstig kaufen, die kurzfristig angeboten wurde. Sie wurde bereits vor etlichen Jahren im Tagebau Thüringer Schieferwerke Unterloquitz südöstlich von Saalfeld gefunden. Die 34 x 16 cm große Mineral-Stufe ist mit schönen Kupferkies- und Dolomitkristallen in einem breiten Hohlraum besetzt. Hohlräume dieser Art mit entsprechend frei auskristallisierten Mineralen sind von der Fundstelle eher selten, weshalb das ungewöhnlich gute Stück unbedingt dauerhaft in einem kompetenten Museum der Region untergebracht werden sollte. Auch dieses attraktive Beispiel der Mineralvielfalt Ostthüringens ist bereits im Museum für Naturkunde zu sehen.

 

Dieter Langhammer und Hans Georg Fröber aus Gera – beide Mitglieder im Verein Geraer Mineralien- und Fossilienfreunde e. V. – fanden im Februar 2020 bei einer Untertage-Exkursion im Bergbaurevier Kamsdorf bei Saalfeld eine wunderschöne großflächige Calcit-Tropfsteinbildung, die durch Kobalt rosa gefärbt ist und aus abwechselnd dünnplattigen und traubig aufgebauten Bereichen besteht und somit fast wie ein skurriles Kunstwerk aussieht. Beide haben das Stück mühselig und ohne  es zu beschädigen geborgen und aus der Tiefe ans Tageslicht gebracht. Ihnen war sofort klar, dass die 44 x 30 cm große Tropfsteinplatte ins Museum für Naturkunde Gera gehört, wo sie jetzt sicher auch für kommende Generationen aufbewahrt wird.

 

Das Museum für Naturkunde dankt den Spendern und Sponsoren herzlich für ihr Engagement und Vertrauen.

Chalkopyrit, Dolomit, Tagebau Thüringer Schieferwerke Unterloquitz südöstlich von Saalfeld, Thüringen, 34 x 16 x 14,5 cm
Chalkopyrit, Dolomit, Tagebau Thüringer Schieferwerke Unterloquitz südöstlich von Saalfeld, Thüringen, 34 x 16 x 14,5 cm
Baryt, „Todesdruse“, - 360-Meter-Sohle, Bergbaubetrieb Beerwalde, Ronneburg, Thüringen, 26 x 18 cm
Baryt, „Todesdruse“, - 360-Meter-Sohle, Bergbaubetrieb Beerwalde, Ronneburg, Thüringen, 26 x 18 cm
Calcit-Sinter („Kobaltsinter“), Frommschacht, Kamsdorf bei Saalfeld, Thüringen, 44 x 30 cm
Calcit-Sinter („Kobaltsinter“), Frommschacht, Kamsdorf bei Saalfeld, Thüringen, 44 x 30 cm
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