Detail des Tafelklaviers der Friederici-Werkstatt, um 1850 Foto: Stadtmuseum Gera

Führung durch die aktuelle Sonderausstellung

Musikinstrumente aus Gera

Textilproduktion, Maschinenbau und Elektrotechnik haben Gera zur Großstadt gemacht. Weit weniger bekannt ist dagegen, dass auch der Bau von Musikinstrumenten im Ort eine lange Tradition hat und zu den wichtigen Industriezweigen zählte. Prägend im Instrumentenbau des 18. und frühen 19. Jahrhunderts war die Familie Friederici, deren Orgeln noch heute in Kirchen Mitteldeutschlands zu finden sind. Überregional bekannt wurde die Familie aber vor allem durch ihre Klaviere. Instrumente von Friederici besaßen unter anderem die Eltern von Wolfgang Amadeus Mozart und Johann Wolfgang von Goethe. Der Sprung in das Industriezeitalter gelang der Firma leider nicht. Abgelöst wurde sie durch große Industriebetriebe mit mehreren hundert Beschäftigten wie die Klavierfabrik Wilhelm Spaethe, deren Produkte teilweise bis heute in Gebrauch sind und sich weltweit finden lassen. Die Firma fertigte seit den 1850er Jahren Drehorgeln und Harmonikas und spezialisierte sich Ende des Jahrhunderts auf die Herstellung von Pianos und Harmoniums. Der Erste Weltkrieg beendete die große Zeit der Klavierfabriken in Gera. Die folgenden Jahrzehnte standen ganz im Zeichen der Handharmonika- und Akkordeonproduktion. Die hierbei wohl bekannteste Geraer Firma, die Harmonikafabrik Hermann Buttstädt in Gera-Untermhaus, produzierte bis in die 1960er Jahre Akkordeons. Neben dem Instrumentenbau entwickelte sich eine bemerkenswerte Zuliefererindustrie. Die Geraer Firma Gebrüder Dix beispielsweise galt als weltweit größter Erzeuger von Stimmplatten. Die unscheinbaren Bauteile erzeugen den für Harmonikas typischen Ton. In Gera-Langenberg produzierte die 1909 gegründete »Erste Reußische Klaviaturenfabrik« rund 90 Jahre lang Tastaturen für Flügel, Pianos und Harmoniums. In der DDR deckte der Betrieb nahezu landesweit den Bedarf an Klaviaturen. Mit der Ausstellung zum Thema »Musikinstrumente aus Gera« begibt sich das Stadtmuseum erstmals auf Spurensuche nach den Hinterlassenschaften einer fast vergessenen Industrie.

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