Prof. Dr. Michael Amler begutachtet ein Steckmuschel-Fossil aus Gera, Foto: Frank Hrouda

Deutsche und US-amerikanische Forscher interessieren sich für Steckmuschel-Fossilien im Museum für Naturkunde Gera

Am 5. Juli 2021 konnte Prof. Dr. Michael Amler von der Universität zu Köln zu einem Arbeitsbesuch am Museum für Naturkunde Gera begrüßt werden. In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Thomas Yancey von der Texas A&M University (Texas/USA) arbeitet der Paläontologe an einer Publikation zur Evolutionsgeschichte der sogenannten Steckmuscheln (Pinnidae). Diese Muscheln gehören mit bis zu 1,20 m Länge zu den größten Muscheln Europas, wo sie z. B. aus dem Mittelmeer bekannt sind. Mehr als 50 heute lebende Arten der Steckmuscheln sind bekannt. Fossile Arten sind es sogar noch weitaus mehr. Eine dieser fossilen Arten heißt Aviculopinna prisca und wurde auch schon mehrfach versteinert im Untergrund Geras gefunden. Diese Fossilien aus Gera sind ca. 255 Millionen Jahre alt und stammen aus dem Erdzeitalter Perm bzw. dessen jüngsten Schichten, die man Zechstein nennt.

Die beiden Paläontologie-Professoren erforschen vor allem die Frage, wann die erste eigentliche Steckmuschel im Laufe der Erdgeschichte nachzuweisen ist. Im Rahmen ihres Literaturstudiums untersuchten die Forscher dabei zunächst exakt, in welchen Veröffentlichungen von anderen Wissenschaftlern im 19. Jahrhundert bereits Exemplare solcher Steckmuscheln abgebildet wurden. Solche in der Fachliteratur abgebildeten und beschriebenen Exemplare sind für weitere Forschungen sehr wichtig, da sie als Referenzobjekte (sogenannte Abbildungsoriginale) herangezogen werden müssen. Eher zufällig gelangte die entsprechende Suchanfrage der beiden Forscher nach ganz bestimmten Exemplaren dieser Muscheln an das Museum für Naturkunde Gera. Dringend gesucht wurden vier bereits 1861 in der berühmten Zechstein-Monografie von Hanns Bruno Geinitz (1814 – 1900) abgebildete Muschelfossilien. Durch die stetige und gründliche Neuinventarisierung von vor allem altem Sammlungsmaterial der geologischen Sammlung konnte das Museum für Naturkunde Gera prompt antworten, dass zwei der gesuchten Muscheln in Gera vorhanden sind. Sie wurden schon vor 1861 vom Thieschitzer Pfarrer Friedrich Eduard Mackroth (1807 – 1866) zwischen Bieblach und Dorna gefunden und werden bis heute im Museum aufbewahrt. Die beiden schönen und großen Muschelfossilien wurden beim Arbeitsbesuch untersucht und für die geplante Publikation fotografiert. Erscheinen wird der Fachartikel in der von der Palaeontological Association in Großbritannien herausgegebenen Zeitschrift Palaeontology. Höchstwahrscheinlich wird eine der „Mackrothschen“ Muscheln sogar zum Typusexemplar erklärt werden. Ein Typusexemplar, wie z. B. ein Holotypus, ist in der Welt der Fossilien immer ein ganz besonders typisches Exemplar einer ganzen Art, in gewisser Weise ein „Musterexemplar“. Gründliches Sammeln und vor allem das gewissenhafte und sorgsame Bewahren von Sammlungsgut werden also oft auch nach Jahrzehnten belohnt.

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