Blick in den Steinbruch Kahlleite 2017, Foto: Lutz Bittag

Aktuell in Vorbereitung: Kabinettausstellung "Steinbruch Kahlleite - Erloschene Mineralfundstelle in Ostthüringen"

Das Museum für Naturkunde Gera bereitet derzeit ergänzend zu seinen ständigen mineralogischen Ausstellungen die Kabinettausstellung „Steinbruch Kahlleite – Erloschene Mineralfundstelle in Ostthüringen“ vor. Nach der Wiedereröffnung des Museums, deren Datum aktuell noch unbekannt ist, wird die Ausstellung zu sehen sein. Die Schau setzt eine rote Linie des Museums fort, in der insbesondere Fundstellen und Aufschlüsse im Ostthüringer Raum aus mineralogischer Sicht vorgestellt werden. Dementsprechend widmet sich die Exposition den über 30 verschiedenen nachgewiesenen Mineralen des Steinbruchs, darunter ein für Deutschland einzigartiges Mineral.

Der Steinbruch Kahlleite liegt an der Landstraße 3002 ca. 1,5 km nordwestlich von Löhma, nordöstlich von Schleiz gelegen, im ostthüringischen Saale-Orla-Kreis. Die Die Geschichte des Steinbruchs Kahlleite beginnt erst 1975 mit der Erschließung und dem Betrieb durch den VEB Saalburger Marmorwerke. Der abgebaute Knotenkalk wurde kaum als Block zum Herstellen großer Dekorsteinplatten abgebaut, sondern er wurde zu Splitt für einen ganz bestimmten Zweck zerkleinert. Im Rahmen des Rohstoffmangels der DDR-Bauwirtschaft auf der einen Seite und eines gewaltigen Wohnungsbauprogramms auf der anderen Seite wurde eine Alternative für ein attraktives, günstiges und reichlich vorhandenes Baumaterial entwickelt. Abfall- und Bruchstücke der Kalke – wie aus dem Steinbruch Kahlleite – zerkleinerte man maschinell und vermischte sie mit Spezialzement. Aus den daraus entstandenen Blöcken wurden dann die gewünschten und zum Teil farbenfrohen Platten geschnitten. Je nach Beimengung der verschiedenen Kalke entstanden so unterschiedlich farbige Agglomeratplatten, eine Art Terrazzo verwendet für Fußböden, Treppen oder Fensterbänke. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde der Steinbruch Kahlleite von der TNW-Natursteinwerke GmbH & Co. KG ausgebaut. Gefördert wurden nun jedoch große Mengen von Diabas in Form von Schotter und Splitt für die Bauindustrie, insbesondere für den Straßenbau. Somit erreichte der Steinbruch eine Dimension von über 300 mal 150 Metern. Aktueller Eigentümer des Steinbruchs Kahlleite ist seit 1. 12. 2012 die Hartsteinwerke Burgk GmbH & Co. OHG. Aktuell ist der Steinbruch im sogenannten ruhenden Betrieb. Er ist also nicht geschlossen oder stillgelegt, sondern es könnte bei Bedarf wieder Material abgebaut werden. Eine potentielle Mineralfundstelle ist der Steinbruch aktuell jedoch nicht, denn die Tiefbausohle steht unter Wasser, so dass das Areal an einen idyllischen Bergsee erinnert. Außerdem ist das Betreten des Geländes verboten, was durch zahlreiche Hinweisschilder mit den Aufschriften „Betreten verboten“, „Betriebsgelände“ und „Lebensgefahr“ deutlich angezeigt wird. Verstöße, wie z. B. durch Badegäste, werden mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruches geahndet.

Die meisten Mineralfunde gelangen enthusiastischen Mineraliensammlern im Steinbruch Kahlleite zwischen 1990 und 2010. Im Rahmen der Ausstellung wurde die Liste der nachgewiesenen Minerale noch einmal überarbeitet und ergänzt. Etwa 30 verschiedene Minerale sind aus dem recht kleinen Steinbruch nachgewiesen. Häufig sind Quarz und Calcit, letzterer mit ausgesprochenem Formenreichtum! Außerdem wurden von den Sammlern gelbliche Anatase, wasserklare Aragonite und grazile Malachite geborgen. Nur an einem eng umgrenzten Bereich entdeckt wurden Cinnabarit und Manganit. Beide Minerale sind in Ostthüringen nur von wenigen Fundstellen bekannt. „Mineralogischer Höhepunkt“ des Aufschlusses ist das seltene Mineral Ferroaluminoseladonit, das in wurmartigen Aggregaten in angewitterten Blasenhohlräumen einer Pillowlava entdeckt wurde. Weltweit sind nur sehr wenige Fundorte dieses Minerals beschrieben, innerhalb Deutschlands gilt der Steinbruch Kahlleite als einzige nachgewiesene Fundstelle!

Regionalgeologisch ist die Lage des Steinbruchs Kahlleite in die Nordwestflanke des Bergaer Sattels einzuordnen. Während des Oberdevons von vor ca. 360 bis 380 Millionen Jahren war das Gebiet des Steinbruchs ein eher flacher Meeresbereich mit intensivem Vulkanismus. Es stehen entsprechend oberdevonische Gesteine an, wobei es sich in der Hauptsache um sedimentäre Knotenkalke sowie vulkanische Pillowlaven und Spilittuffe handelt.

Die Ausstellung wird durch die tatkräftige Unterstützung vieler Mitglieder des Vereins „Geraer Mineralien- und Fossilienfreunde e. V.“ ermöglicht.

Aragonit, Bildbreite 17 mm, Foto: Matthias Reinhardt
Aragonit, Bildbreite 17 mm, Foto: Matthias Reinhardt
Cinnabarit, Bildbreite 11 mm, Foto: Matthias Reinhardt
Cinnabarit, Bildbreite 11 mm, Foto: Matthias Reinhardt
Ferroaluminoseladonit, Bildbreite 10 mm, Foto: Matthias Reinhardt
Ferroaluminoseladonit, Bildbreite 10 mm, Foto: Matthias Reinhardt
Malachit, Calcit, Bildbreite 12 mm, Foto: Matthias Reinhardt
Malachit, Calcit, Bildbreite 12 mm, Foto: Matthias Reinhardt
Manganit, Bildbreite 17 mm, Foto: Matthias Reinhardt
Manganit, Bildbreite 17 mm, Foto: Matthias Reinhardt
Blick in den Steinbruch Kahlleite 2006, Foto: Daniel Köhler
Blick in den Steinbruch Kahlleite 2006, Foto: Daniel Köhler
Blick in den Steinbruch Kahlleite 2007, Foto: Daniel Köhler
Blick in den Steinbruch Kahlleite 2007, Foto: Daniel Köhler
Blick in den Steinbruch Kahlleite 2017, Foto: Lutz Bittag
Blick in den Steinbruch Kahlleite 2017, Foto: Lutz Bittag
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